KÄTHE BRAUN-PRAGER


1888 - 1967

BIOGRAPHIE

Mein Nachwort aus Die Stadt der Ewigen Novellen von Käthe Braun-Prager (siehe auch Fußnoten)

KÄTHE BRAUN-PRAGER (Katharina Maria Braun) wurde am 12. Februar 1888 in Wien geboren und stammte aus einem österreichisch-jüdischen Elternhaus. Die Mutter starb bei ihrer Geburt, als Ihr Bruder Felix  gerade drei Jahre alt war. Der Vater, Eduard Braun, heiratete ein Jahr später die Schwester der Mutter, Laura Kohn. Einige Jahre später wurde ihr Halbbruder Robert geboren. Vom dichtenden Großvater Moritz Ghon sehr beeindruckt, schrieb ihr Bruder Felix schon mit 14 Jahren sein erstes Theaterstück Die Kastellianerin und das hat sicherlich auch Käthe Braun-Prager in literarischer Hinsicht beflügelt. Die Geschwister Braun verband eine sehr starke seelische und geistige Beziehung, die noch bis zum ihrem Tod andauerte.

Das liberal-bürgerliche Elternhaus ermöglichte Käthe Braun-Prager eine Ausbildung in einer höheren Töchterschule und sie absolvierte 1907 auch die Staatsprüfung in Stenographie. Um die Familie finanziell zu unterstützen, arbeitete Käthe Braun-Prager als Privatlehrerin und seit 1907 als Beamtin in der Creditanstalt in Wien. Zu dieser Zeit hatte sie schon viele Gedichte und Aphorismen verfaßt, aber kaum etwas veröffentlicht. Als sensible und zarte Frau hatte sie aber anscheinend unter der strengen und beamtischen Atmosphäre im Büro gelitten, was von ihr in der Erzählung Büro auf eine sehr dramatische und phantasievolle Weise umgesetzt wurde. Ein kleiner Beamter, zermürbt, gestoßen, ungeliebt, verfällt dem Zahlenwahnsinn und geht schließlich daran zugrunde.

Vom nicht-religiösen Elternhaus unbeeinflußt, konvertierte Käthe Braun-Prager zum evangelischen, in späteren Jahren zum katholischen Glauben.  Auch ihre Mutter konvertierte, wohl aus Angst vor Verfolgung und aus Sympathie für die Kinder, im Jahre 1938 zum katholischen Glauben. Durch antisemitische Äußerungen in ihrem Umfeld, die die jüdischen Kinder schon früh und auch später erfahren haben, waren die christlichen Religionen für sie sicherlich sehr willkommen. Auch die Hoffnung war damit verbunden, zu einer angesehenen und geliebten Gemeinschaft zu  gehören. 

Nach einigen mißglückten Liebesbeziehungen lernte Käthe Braun-Prager den Schriftsteller und Philosophen Hans Prager kennen, den sie 1917 heiratete. Erst drei Jahre später wurde ihre Tochter Ulrike geboren und es ist zu vermuten, daß ihr die Geburt Todesängste bereitete, da doch ihre eigene Mutter bei ihrer Geburt starb, was sie auch bedrückte und ihr Leben lang begleitete. Sogar Felix Braun widmete in seiner Autobiographie der toten Mutter ein ganzes Kapitel.

Käthe Braun-Prager, seit 1920 freie Schriftstellerin, war ihrer Zeit voraus und lebte sehr gesellschaftsbezogen. In der Wiener Wohnung gingen viele bekannte Künstler ein und aus. Obwohl es stets an Geld fehlte, hatte Käthe Braun-Prager immer noch Zeit und Phantasie, ihre Gedichte, Erzählungen und viele Aphorismen zu verfassen und für den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen.

1927 wurde ihr Drama Anna Mayer in der Wiener Schauspielervereinigung "Sprungbrett" mit Erfolg uraufgeführt. 1928 bis 1938 gründete und leitete sie die "Literarische Frauenstunde" bei Radio Wien und hielt unter anderem Vorträge über berühmte österreichische Frauen. Schon früh hatte sie sich sehr intensiv mit den Frauenschicksalen und der Frauenliteratur beschäftigt. Käthe Braun-Prager befreundete sich auch mit der Schriftstellerin und Frauenrechtlerin Rosa Mayreder, deren Werke sie herausgegeben hat und zu der sie ein inniges und geistiges Verhältnis hatte.

 

1929 veröffentlichte sie ihren ersten Gedichtband. In den darauffolgenden Jahren erschienen weitere Gedichte sowie Aphorismen und Essays. 1930 leitete sie die "Literarischen Vortragsabende" im Hotel de France in Wien und hielt Vorträge auch an den Sendern Breslau, Berlin etc. Bedingt durch die politische Situation schrieb sie in den dreißiger Jahren auch unter dem Pseudonym Anna Maria Brandt und veröffentlicht viele Essays. Ihre beiden Brüder Felix und Robert Braun waren in diesen Jahren schon angesehene Schriftsteller, auch ihr Mann Hans Prager hielt Vorträge und arbeitete an seinen Werken über Shakespeare und Dostojewski. 1935 starb ihr Vater Eduard Braun an Herzversagen. Die Existenzängste und die Aufregungen durch die schwierige politische Situation waren zu viel für ihn.

Im Februar 1939 emigrierte Käthe Braun-Prager mit ihrer Mutter und mit wenig Geld nach England, wo sie dann Felix Braun trafen, der direkt von Italien aus nach England flüchtete. Ihr Mann Hans Prager und die Tochter Ulrike lebten zu der Zeit schon in der Emigration in Paris. Robert Braun flüchtete mit seiner Familie nach Schweden. 

In England lebte die Familie anfangs in Finsthwaite im Norden Englands, später in Kendal und in den späteren Jahren in London.  Für ihren Mann Mann Hans Prager, der noch kurz vor der Emigration eine Schilddrüsenoperation hatte, war der Aufenthalt in einem Internierungslager und die Aufregungen zuviel, so daß er geschwächt und deprimiert in einem Krankenhaus in Paris im Jahre 1940 starb, wohl auch an Hunger und Medikamentenmangel. 

In der Emigration nahm Käthe Braun-Prager eines Abends ein Stück Kohle aus dem Feuer und fing das erste Mal in ihrem Leben zu malen an, sie war zu dieser Zeit bereits über 50 Jahr alt. Viele Bilder sind von ihr in diesen Jahren entstanden. Außerdem hielt sie viele Vorträge in England, so auch beim Sender BBC in London, auch über österreichische Komponisten, arbeitete als Kunstgewerblerin, schrieb Gedichte, Erzählungen, Aphorismen und übersetzte unter anderem ein Buch über Charles Dickens.
 

Als Käthe Braun-Prager mit ihrem Bruder Felix und ihrer Mutter 1951 nach Wien zurückkehrte, dauerte es viele Jahre, bis die Familie in Wien wieder richtig Fuß fassen konnte. Die Tochter von Käthe Braun-Prager lebte mit der Enkelin Tatjana schon seit 1947 in Wien und wartete sehnsüchtig auf die Familie. 

In diesen Jahren stellte Käthe Braun-Prager ihre Bilder in Kollektivausstellungen in Österreich und in anderen Ländern aus. Das Bundesministerium für Unterricht sowie die Österreichische Galerie in Wien haben einige ihrer Bilder erworben.

In den Erzählungen von Käthe Braun-Prager spielt die Mutter bzw. die Mütterlichkeit eine große Rolle und das in den verschiedensten Facetten. Sie zeigen  auch die einfache Frau um 1900, mit ihrer Sehnsucht nach Geborgenheit einerseits, aber auch dem Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit, oder wie in Bauernhochzeit eine Frau, die lieber sterben will, als sich einem ungeliebten Mann hinzugeben. Käthe Braun-Prager beschreibt die innere Zerrissenheit, die Problematik von Beziehungen; Wirkliches vermischt sich mit Unwirklichem. Die Grundthemen sind Liebe, Haß, aber auch die Sehnsucht nach dem Tod und dem Jenseits. Eine Spur von Traurigkeit, mystischer Faszination, aber auch Ironie zieht sich wie ein roter Faden durch ihre Novellen. 

Käthe Braun-Prager starb am 18. Juni 1967 im Krankenhaus und wurde am Ehrenhain im Wiener Zentralfriedhof begraben. Auf ihrem Grab steht  der Grabesspruch, den sie 1943 verfaßt hat:

Was ich je gedacht und ausgesprochen,
Hat mein dünnes Lebensglas zerbrochen,
Was ich nie gesagt, nie aufgeschrieben,
Ist als Glanz von mir zurückgeblieben.
                 (Käthe Braun-Prager)
 

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